Unperfekt = Perfekt

Die Medien machen es uns vor. Perfekte Menschen werden uns in Film- und Fernsehen und in sozialen Netzwerken gezeigt, ebenso wie perfekte Familien, perfekt zubereitete Mahlzeiten, perfekte Freizeitplanung, perfekte Haushalte und perfekte Beziehungen. Wie oft stellt sich da die Frage „Bin nur ich nicht perfekt?“ Eine Frage, die viele umtreibt und im schlimmsten Fall auch zu einer Belastung werden kann.

Ein gewisses Maß an Perfektionismus kann selbstverständlich auch hilfreich sein. Wenn man Perfektionismus eher als Zielstrebigkeit lebt, kann dies motivieren und den Weg zur Erreichung von Zielen ebnen. Aber man muss wissen wann es genug ist und deshalb ist es wichtig, die eigenen Bedürfnisse zu kennen und Verantwortung für sich zu übernehmen.

Wenn der vermeintliche gesellschaftliche Leistungs- und Perfektionsdruck unser Leben bestimmt, sollte dieser Druck hinterfragt werden. Was ist mein Antreiber hin zu immer mehr Perfektion? Warum kann ich es nicht aushalten, dass mein zu Hause nicht perfekt aufgeräumt ist? Warum komme ich nicht damit klar, dass ich nicht Hundertprozent Familie, Arbeit und Hobbies unter einen Hut bringen kann? Warum muss ich, wenn die Schwiegereltern zu Besuch kommen, ein Gourmet-Gericht zaubern und es reichen nicht auch einmal Spaghetti Bolognese?

Oftmals haben Perfektionisten bereits als Kinder gelernt, dass sie, wenn sie nicht zu der Norm gehören oder perfekte Leistung erbringen, abgewertet und nicht geliebt werden. Dies führt dazu, dass auch im Erwachsenenalter oft großer Wert auf Genauigkeit, Fehlerlosigkeit und Dazugehörigkeit gelegt wird. Das wiederum kann dazu führen, dass man sich vor lauter Gründlichkeit selbst lähmt und im ständigen Vergleich mit anderen selbst verliert. Hinzu kommt, dass nicht nur derjenige selbst einen immer höheren Leidensdruck hat, sondern auch das Umfeld diesen zu spüren bekommt.

Perfektionisten werden durch erlernte Glaubenssätze beeinflusst: „Durch mehr Arbeit wächst meine Anerkennung.“, „Ich bin nicht gut genug.“, „Sei perfekt.“, „Mach es jedem Recht.“, „Streng Dich an.“, um nur einige Beispiele zu nennen.

Sich diesen Antreibern bewusst zu werden und sie zu hinterfragen, ist der erste Schritt, um sich aus der Perfektionsfalle zu befreien. Warum muss mein Kind etwas Selbstgebackenes mit zu der Kindergartenfeier bringen, wenn ich keine Zeit oder auch Lust habe mich in die Küche zu stellen? Etwas Gekauftes ist auch lecker. Warum kann ich meinem Chef nicht auch eine einfache Aufstellung, wie von ihm gewünscht geben, sondern muss eine besonders schön gestaltete und zeitaufwendige Tabelle erstellen? Es gibt viele Fragen dieser Art aber, es sollte auch berücksichtigt werde was ich mir erlauben darf: „Ich darf Pausen machen.“, „Ich darf auch Fehler machen und daraus lernen.“, „Ich kann um Hilfe bitten.“

Vor allen Dingen sollte gefragt werden, was denn Schlimmes passieren kann, wenn ich eben nicht perfekt bin. Nehmen Sie mein Bild als Beispiel. Ja, ein Spiegelei ist zerlaufen, doch wenn man genau hinsieht, hat es eine Herzform angenommen. Es ist unperfekt aber doch perfekt!

Ein gutes Training, um sich aus der Perfektionsfalle zu befreien, bietet die 80/100-Regel. Dabei geht es darum, statt immer alles zu 100% perfekt machen zu wollen, alles bewusst nur zu 80% zu erledigen. Hier geht es nicht darum, faul oder unsorgfältig zu werden, sondern darum die eigenen Ansprüche auf ein erreichbares Maß zu reduzieren.

Wenn es Ihnen schwerfällt Ihre Antreiber und Glaubenssätze zu definieren oder Ihre Ansprüche zu hinterfragen, kann ein Coaching, aber auch der Austausch mit einer guten Freundin oder einem guten Freund unterstützen sich dieser bewusst zu werden und daran zu arbeiten. Versuchen Sie es! Ich unterstütze Sie natürlich gerne.