ICH Wer ist das

Jeder von uns entwickelt bzw. übernimmt im Laufe seines Lebens bestimmte Rollen. Einige davon behalten wir ein Leben lang bei, andere hingegen geben wir auch wieder ab – freiwillig oder weil es die Umstände so bestimmen. Aber hinter all dem steht oftmals die Frage nach dem „ich“. Wer bin ICH, was macht MICH aus und was bleibt, wenn ICH nur noch MICH habe? Kann ICH das überhaupt und will ICH das überhaupt? Es ist wie mit dem Bild zu diesem Beitrag: der Fels bleibt gleich und ist immer da, aber sein Äußeres verändert sich. Es kommt etwas hinzu oder etwas verschwindet auch wieder.

Es gibt niemanden der sich nicht wenigstens einmal Fragen stellt, was wäre, wenn er/sie dies oder das oder jemanden nicht mehr hätte oder aber etwas nicht mehr tun würde. Aber in den meisten Fällen sind dies kurze Gedankenspiele die so schnell wieder verfliegen wie sie gekommen sind. Gerade in Stress- oder Ausnahmesituationen begegnen sie uns oft, dann nämlich, wenn uns alles zu viel wird und wir einfach nicht mehr wollen oder können. Sich mit sich selbst zu beschäftigen und sich und seine Fähigkeiten, Stärken aber auch Schwächen zu kennen oder kennenzulernen, ist jedoch ein wichtiger Baustein für ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben. Allzu oft lassen wir uns von Glaubenssätzen, die sich über Jahre entwickelt haben oder uns so suggeriert wurden, leiten aber auch behindern. Wir lassen uns auch in Rollen drängen, die wir vielleicht gar nicht wollen oder nicht mehr wollen oder aber in veränderter Form wollen.

Ein wichtiger Schritt um wieder zu sich selbst zu finden ist es sich seiner Rollen im Leben bewusst zu werden. Im Coaching gibt es hierzu die sogenannte Desidentifikationsübung nach Roberto Assagioli:

1. Bestimmen Sie sechs bis acht Rollen oder Tätigkeiten die Ihr Leben ausmachen und schreiben Sie diese einzeln auf ein Blatt Papier. z.B. Mutter, Schwester, Lebensgefährtin, Coach, Freundin, Selbstständige, Malerin.

2. Bringen Sie diese Rollen in eine Rangfolge und legen Sie diese vor sich auf dem Boden aus geordnet nach Wichtigkeit, wobei die 1. Rolle die wichtigste Rolle und die letzte Rolle die am wenigsten wichtige Rolle ist. Erzählen Sie zu jeder Rolle was sie Ihnen bedeutet, was sie ermöglicht, wer damit verbunden ist usw.

3. Nun beginnen Sie mit der am wenigsten wichtigen Rolle diese abzulegen, heißt so zu tun als ob es die Rolle ab sofort nicht mehr in Ihrem Leben gibt. Entfernen Sie also das Blatt Papier. Dabei ist es wichtig auch zu imaginieren wie es ist ohne diese Rolle zu sein.

4. Nun ist es wichtig sich Fragen zu stellen – während einem Coaching übernimmt der Coach diese Aufgabe – wie Sie sich und Ihre Einstellung und auch Ihre Gefühle verändern, wenn es diese Rolle nicht mehr gibt. Was sind Konsequenzen, heißt, welche Beziehungen, Handlungen usw. fallen weg und was wird stattdessen neu in Ihrem Leben.

5. Nachdem Sie sich viele Fragen zu der jeweiligen Rolle gestellt und auch beantwortet haben wird die nächste Rolle entfernt usw. bis alle Rollen gestrichen sind und Sie immer mehr bei sich selbst ankommen. Sie werden letztlich nach entfernen aller Rollen mit der höchst existenziellen Frage nach dem Sinn konfrontiert. Wer sind SIE ohne alle diese Rollen und wie fühlt es sich an?

Die gewonnenen Erkenntnisse können glücklich machen aber auch zutiefst ängstigen oder traurig machen, denn oft weiß man gar nicht mehr wie es ist nur „ich selbst“ zu sein.

6. Zuletzt legen Sie die einzelnen Rollen wieder hin. Hat sich etwas verändert? Hat sich die Rangfolge verändert? Wollen Sie etwas anders machen? Soll eine Rolle wegfallen oder durch eine Andere ersetzt werden?
Diese Übung ermöglicht eine tiefgreifende Sicht auf sich selbst und die eigenen Vorstellungen, Wünsche aber auch Zweifel und Stärken.

Dies in einem Coaching zu erarbeiten führt möglicherweise zu einem besseren Ergebnis, da ein Coach andere Fragen stellt oder auch Fragen und Perspektiven eröffnet, die man selbst nicht stellen würde oder aber meidet. Doch diese Übung einmal für sich selbst durchzuspielen ist ein guter Ansatz sich mehr Klarheit zu verschaffen. Versuchen Sie es! Und wenn Sie hierbei Unterstützung wünschen, melden Sie sich gerne.

Diese Übung ist auch im Business Content gut einsetzbar, denn auch hier nimmt beispielsweise eine Führungskraft verschiedene Rollen ein. Zu der Herangehensweise im Business Content mehr in einem kommenden Beitrag.