Stolz ein Vorurteil

Stolz ist ein sehr ambivalent behaftetes Wort in unserer Gesellschaft. Auch gerade im Arbeitsumfeld ist Stolz oft sehr negativ besetzt, was sicherlich viele Gründe hat. Letztlich besagt das Lexikon, dass Stolz ein Gefühl großer Zufriedenheit mit sich selbst oder anderen ist. Die Freude, die der Gewissheit entspringt, etwas Besonderes, Anerkennenswertes oder Zukunftsträchtiges geleistet zu haben. Stolz reiht sich ein mit anderen Eigenschaften wie Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl und auch Selbstsicherheit.

Schaut man sich diese Erklärung an sind das alles Eigenschaften, die aus meiner Sicht, sehr positiv zu bewerten sind und auch eine gute Führungskraft auszeichnen. Trotzdem wird Stolz in der Arbeitswelt eher kritisch bewertet. Man darf zwar Stolz auf erbrachte Leistungen sein, aber dies bitte nicht zu sehr hervorheben. Man darf auch stolz auf seine Mitarbeiter sein, aber nicht unbedingt sich selbst in diesen Stolz mit einbeziehen. Gerade Frauen trauen sich oftmals nicht stolz zu sein. Auf ihre eigene Person, ihre erbrachten Leistungen und Errungenschaften und auf den täglichen Balanceakt zwischen Familie, Beruf und Karriere den Frauen immer noch in der Mehrzahl erbringen. Zwar ändert sich dies gerade in der Gesellschaft und auch immer mehr Männer beginnen bei dem Spagat zwischen Familie und Beruf manchmal an ihre Grenzen zu stoßen. Trotzdem zeigen auch in diesem Bereich die Männer öfter, dass sie stolz darauf sind diesen Spagat zu schaffen. Frauen, insbesondere in Führungspositionen, versuchen diese Leistung vielmehr nicht weiter zu erwähnen, da sie hier eher Nachteile für sich sehen und auch fürchten vielleicht ein gewisses Ansehen zu verlieren. Frauen neigen auch dazu ihr Leistungen nicht hervorzuheben die sie in eben ihre Führungsposition gebracht haben. Auch dahinter verbirgt sich die Angst, dass ihr Stolz eher als Überheblichkeit angesehen wird. Männer hingegen sind zumeist von solchen Befürchtungen befreit.

Es ist schon richtig, dass Stolz als Überheblichkeit oder Selbstgefälligkeit ausgelegt werden kann. Die Frage ist nur von wem, weshalb und in welchem Zusammenhang? Und warum machen wir uns, und gerade auch wir Frauen, darüber so viele Gedanken? In der Kindheit war es doch ganz natürlich stolz zu sein, wenn man etwas besonders gut hinbekommen hat, seien es gute Noten, Erfolge im Sport oder auch einfach, weil man besonders schön malen konnte. Und auch das Umfeld bekundete wie stolz es auf jemanden sei, der dies und das geschafft hat. Warum also geht uns dieses Gefühl und der Umgang damit im Laufe des Lebens verloren, insbesondere dann, wenn wir etwas im Beruf „geschafft“ haben?

Machen Sie sich frei von dem Denken nicht stolz auf sich sein zu dürfen und davon dies nicht auch zu sagen und zu zeigen. Stolz ist ein schönes Gefühl und unterstützt uns in der Erreichung unserer Ziele und Wünsche und darin was wir selbst allein oder auch im Team schaffen können. Man sollte natürlich nicht zu stolz sein, auch Fehler einzugestehen oder Erfolge auch anderer anzuerkennen ebenso wie Erfolge zu teilen. Aber seien Sie stolz auf sich, wenn Sie etwas leisten oder geleistet haben oder andere unterstützt haben in der Erreichung von Zielen und Wünschen. Seien Sie stolz auf Ihr Leben und was Sie schon alles geschafft haben und schaffen. Lassen Sie Stolz zu, für sich und andere. Denn Stolz ist keineswegs negativ, es ist nur, wie mit Vielem, die Frage des Umgangs damit. Versuchen Sie es. Sagen Sie „Ich bin stolz auf mich.“ Sie werden merken, dass Stolz Sie und Ihr Umfeld bereichern kann.